Richtige Kennzeichnung veganer und vegetarischer Speisen in der Speisekarte

Stell dir vor, eine Vegetarierin oder ein Vegetarier kommt in dein Restaurant und blättert durch die Speisekarte. Was denkst du, was hilft dieser Person in diesem Moment dabei, die für sie passende Speise zu finden? Genau! Die Kennzeichnung der Gerichte als vegan bzw. vegetarisch!
Wie diese Kennzeichnung aussehen muss und welche weiteren Vorteile sie dir und deinen Gästen bringt, erfährst du in diesem Beitrag.

Viele Vegetarier:innen wünschen sich klare Angaben in der Speisekarte, welche Gerichte vegan oder vegetarisch sind. Denn damit wird es für sie einfacher, die fleischfreien Speisen in der Karte zu finden. Außerdem ersparen sie sich das mühsame Überprüfen jedes einzelnen Gerichts auf Fleischbestandteile (was für fremdsprachige Gäste nochmals umständlicher sein kann). Zudem steigt mit der Deklaration als vegan oder vegetarisch das Vertrauen, dass die servierten Speisen auch tatsächlich vegan oder vegetarisch sind. Und nicht zuletzt ersparen sich die Gäste ein (für manche vielleicht unangenehmes) Nachfragen beim Servicepersonal – was auch dir und deinen Mitarbeitenden einen zusätzlichen Beratungsaufwand erspart.

Die Kennzeichnung der veganen und vegetarischen Speisen in der Speisekarte erleichtert das Auffinden und lässt eine Durchmischung aller Gerichte zu.

Die Kennzeichnung ermöglicht zudem eine Durchmischung aller Speisen, egal ob mit oder ohne Fleisch. So wird eine separate Kategorie für die veganen und vegetarischen Gerichte in der Speisekarte überflüssig. Das fleischfreie Angebot wird für alle Gäste sichtbarer. Andererseits können fleischfreie Speisen, die außerhalb der Kategorie „Veganes und Vegetarisches“ gelistet sind – beispielsweise Vorspeisen, Suppen oder Desserts – nicht von Vegetarier:innen übersehen werden (weil diese vielleicht nur einen Blick in „ihre“ Kategorie werfen).

So kannst du vegane und vegetarische Speisen kennzeichnen

Für die Kennzeichnung gibt es im Grunde zwei Möglichkeiten: Entweder du verwendest grafische Symbole oder eine textliche Auszeichnung. Egal für welche Möglichkeit du dich entscheidest, wichtig ist, dass eine eindeutige Differenzierung zwischen vegan und vegetarisch stattfindet!

Mögliche Kennzeichnung vegetarischer Gerichte in der Speisekarte

Verwendung von Symbolen

Verwendest du Symbole, empfehle ich dir, dass sich diese Piktogramme in der Gestaltung wesentlich unterscheiden, so dass sie auch sofort als vegan oder vegetarisch interpretiert werden können.

Vorteile von Symbolen

  • Einfache Anwendung
  • Verwendung von Symbolen sorgt für eine einheitliche Wirkung
  • Symbole lassen sich gut in die Gestaltung der Speisekarte integrieren
  • Sie sind mit dem Auge schnell erfassbar
  • Symbole können einen Wiedererkennungswert schaffen
  • Symbole unterstützen Menschen mit einer Leseschwäche

Nachteile von Symbolen

  • Symbole müssen erlernt werden
  • Die einzelnen Zeichen müssen erklärt werden
  • Die Symbolik kann missverstanden und verwechselt werden

Textliche Kennzeichnung

Während Symbole schön aussehen und viele Vorteile haben, bringen sie auch einen entscheidenden Nachteil mit: Sie sind nicht eindeutig interpretierbar! Bei Text ist die Sache hingegen klar, denn vegan ist vegan und vegetarisch vegetarisch. Ich empfehle dir, die Wörter vegan und vegetarisch zusätzlich mit einer Farbe hervorzuheben. Denn Text geht neben Text leicht unter. Die Speisekarte soll jedoch schnell mit dem Auge abgescannt werden können. Farbige Hervorhebungen erleichtern dies.

Vorteile einer textlichen Kennzeichnung

  • Einfache Anwendung
  • Keine Erklärung einer Symbolik notwendig
  • Die Kennzeichnung ist eindeutig und klar verständlich

Nachteile einer textlichen Kennzeichnung

  • Die textliche Kennzeichnung ist für das Auge nicht so schnell identifizierbar
  • Eingeschränkte gestalterische Möglichkeiten

Die textliche Kennzeichnung veganer und vegetarischer Speisen in der Speisekarte bringt noch einen zusätzlichen Nachteil mit sich: Speziell die Deklaration als vegan kann von manchen Menschen damit assoziiert werden, dass die Speise fad schmeckt. Vor allem fleischkonsumierende Menschen könnten dadurch von der Wahl einer als vegan gekennzeichneten Speise Abstand nehmen. Dazu gibt es auch wissenschaftliche Untersuchungen. Einer Umfrage in den USA zufolge zieht eine Mehrheit der Befragten den Begriff „plant based“ dem Wort „vegan“ vor. „Pflanzenbasiert“ oder „rein pflanzlich“ wird demnach als vielfältiger, leckerer und gesünder wahrgenommen als mit „vegan“ deklarierte Speisen.¹

Transparenz sorgt für Sicherheit!

Du siehst, es gibt zahlreiche gute Gründe und Möglichkeiten für die Kennzeichnung veganer bzw. vegetarischer Speisen. Für Vegetarier:innen bedeutet die damit geschaffene Transparenz Sicherheit, gerade auch im Hinblick auf versteckte tierische Bestandteile, wie beispielsweise Fleischbouillon in Salatdressings oder Gelatine. Dazu fällt mir zum Schluss noch eine Geschichte zum veganen Burgerladen bei mir ums Eck ein:

Der Inhaber postet auf der Social-Media-Seite ein Foto seiner neuen, veganen Kuchenkreation. Den Post ergänzt er mit einem Foto aller verwendeten Zutaten. So weit so unspektakulär. Es dauert aber keine fünf Minuten, bis dem ersten Leser die Gelatinepackung auf dem Foto auffällt: „Gelatine? Gelatine ist nicht vegan!“ Was dem Betreiber des veganen Burgerladens offenbar aus Unwissenheit passiert ist, löst auf seiner Seite einen kleinen Shitstorm aus:

  • „Gelatine wird aus Tierknochen hergestellt!!!!“
  • „Ich hoffe, das war nicht sonst auch noch irgendwo drin!“
  • „Keine gute Werbung für euch!“
  • „Kann ich mich auf die anderen Produkte verlassen?“

Anhand der Reaktionen kannst du erkennen, wie schnell Unsicherheiten bei den Gästen aufkommen können. Und solche Vorfälle wirken sich negativ auf das Betriebsimage aus. Achte daher darauf, dass auch wirklich alle veganen und vegetarischen Speisen zu 100% frei von Zutaten sind, die nicht in diese Gerichte gehören. Ganz besonders gilt dies, wenn du Speisen explizit als vegan oder vegetarisch anbietest!

Fazit

Kennzeichne unbedingt alle Speisen, die vegan oder vegetarisch sind. Das gilt auch für Vorspeisen, Suppen oder Desserts!

Verzichte auf eine separate Kategorie für die veganen und vegetarischen Gerichte in der Speisekarte. Dies setzt allerdings eine genaue und konsequente Kennzeichnung der fleischfreien Gerichte voraus. Dafür werden diese Gerichte für alle deine Gäste sichtbar und zu einem zusätzlichen, interessanten Angebot – auch für Fleischtiger!

Achte sehr genau darauf, dass die als vegan bzw. vegetarisch gekennzeichneten Speisen auch wirklich zu 100% vegan bzw. vegetarisch sind!

Die Kennzeichnung – ob mit Symbolen oder textlich – muss auf jeden Fall klar zwischen vegan und vegetarisch unterscheiden!

Wäge für dich ab, welche Kennzeichnungsform für dein Betriebskonzept passend ist. Bist du ein Betrieb, der auf Fleisch ausgerichtet ist, verwende besser die Kennzeichnung mittels Symbolik. Hast du viele Gäste, die gerne mal auf Fleisch verzichten, macht eine textliche Auszeichnung meiner Meinung nach mehr Sinn.

Quellenangaben:
1) Food Navigator. (2018, April). ‘Plant-based’ plays way better than ‘vegan’ with most consumers.

Über den Autor

Über den Autor

Tobias ist selbständiger Unternehmer und seit seinem 5. Lebensjahr überzeugter Vegetarier. Überzeugt ist er auch davon, dass in der Gastronomie noch viel Potenzial für ein besseres, fleischfreies Angebot steckt. Dazu reichen oft kleine Maßnahmen, um Menschen, die auf Fleisch verzichten möchten, zu begeisterten Gästen zu machen.

So kennzeichnest du vegetarische Speisen in der Speisekarte

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